Link

Ende gut – alles gut?

Auch kurz vor dem Baden Marathon in Karlsruhe hielt meine Achterbahnfahrt des Jahres 2015 an. Nach dem sehr schönen Mannschaftstitel in Bad Liebenzell und der Freude über die „Wunderheilung“ meines rechten Fußes, fing auf einmal am Dienstag vor dem Marathon ein Nerv im linken hinteren Oberschenkel so richtig an zu schmerzen. Daher konnte ich kaum sitzen geschweige denn Autofahren und nur unter Schmerzen laufen. Glücklicherweise wurde der Nerv hervorragend von meinem Physio Friedrich Strohm behandelt, sodass ich am Donnerstag ein leichtes Fahrtspiel machen konnte. Dabei rutschte ich auf einer nassen Holzbrücke ganz ungeschickt aus und fiel hart auf mein rechtes Knie, was daraufhin richtig dick wurde.

So kam es, dass mich Freitag und Samstag, auf der Hochzeit zwei sehr guter Freunde von mir in der Nähe von Hanau, viele für verrückt hielten, als sie mich die Treppen runter humpeln sahen, wo ich doch am nächsten Tag Marathon laufen wollte. Glücklicherweise bekam ich von Dr. Marcus Schweizer am Samstagabend noch um 22:30 Uhr, als ich mit dem Zug zurück von der Hochzeit kam, ein lokales Anästhetikum gespritzt.

Am nächsten Morgen um 5 Uhr klingelte der Wecker. Zwar hatte ich wenig geschlafen, aber ich war dafür das erste und einzige Mal in dieser Woche einigermaßen schmerzfrei. Nach dem Auftakt um 5:15 Uhr, während dem mich einige Feiernde wahrscheinlich für einen Alien hielten, wusste ich, dass ich den Marathon laufen konnte. Von da an freute ich mich riesig auf den ersten Wettkampf in meiner Wahlheimat.

baden marathon 2Da der eigentliche Tempomacher für Melina Tränkle (Felix Wammertsberger) ausgefallen war, sprang ich spontan ein. Melina wollte gerne die B-Kader-Norm von 1:15 unterbieten, doch es sollte ganz anders kommen.

Ich spürte schon nach wenigen Kilometern, dass Melina einen richtig guten Tag erwischt hatte und lief daher in 34:50 (13 Sekunden über Melina’s 10km-Bestzeit) auf die EM-Norm für Amsterdam an. Unterwegs sagte ich ihr immer wieder, dass sie einfach den Kopf ausschalten und hinter mir her rennen solle. Das funktioniert auch absolut perfekt. Melina verbesserte ihre Bestzeit um fast 2 Minuten auf 1:13,44 und hat damit die Team-Norm für die EM erreicht. Bei 20,5 km trennten sich dann unsere Wege und ich hatte etwas Seitenstechen vom Anfeuern. Zu dieser Zeit lag ich überraschenderweise eine Minute hinter dem Führenden zurück und konzentrierte mich daher nun auf mein eigenes Rennen.

Die zweite Hälfte war sehr unrhythmisch zu laufen mit vielen engen Kurven, sehr steilen Brücken und wechselndem Belag. Mein Trainer meinte sogar unterwegs zu mir, dass die zweite Hälfte eher ein Crosslauf gleichen würde. Daher konnte ich den Führenden lange Zeit nicht sehen bis er plötzlich bei KM 25, ausgerechnet am Sonnenbad, wo ich so viele triste Stunden in den letzten Monaten erlebt hatte, direkt vor mir auftauchte. Ich sagte ihm, dass er sich ruhig rein hängen könne, damit er eine neue Bestzeit erreicht und versuchte ihm gut zuzureden. Allerdings ging es ihm schon nicht mehr gut und so musste ich die letzten 17 km mein eigenes Rennen machen.

baden marathon 1Trotz der schwierigen Strecke rollte es richtig gut und ich war jeden Kilometer deutlich schneller als die geplante Pace von 3:30min/km, die im Bereich der Zeit des kenianischen Siegers aus dem Vorjahr war. Die zweite Hälfte war für mich sehr emotional, da sie fast komplett auf meinen Dauerlaufstrecken, an vielen Freunden vorbei und bei KM 40 direkt an meiner Wohnung vorbei lief. Spätestens ab meiner Wohnung konnte ich nicht mehr aufhören zu lächeln und war so glücklich das Ding heute, nach allem was passiert ist, zu finishen. Wie ihr auf diesem Video sehen könnt, war der Zieleinlauf in „meinem“ Stadion etwas ganz Besonderes.

Was habe ich aus den letzten Wochen gelernt? Es lohnt sich immer positiv zu denken und nie aufzugeben. Am 1.September drohte mir eine ganz lange Laufpause und ein Ermüdungsbruch. Genau drei Wochen später bin ich Deutscher Mannschafts-Meister mit zwei sehr guten Freunden und Sieger des Baden Marathons. Beides bedeutet mir wahnsinnig viel und macht mich sehr glücklich.

Bildschirmfoto 2015-09-23 um 13.25.34